ERNST GIGER

MEINE MITTELFORMAT-KAMERAS: ROLLEIFLEX 2.8F

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ROLLEI AUTOMAT

ROLLEI F2.8

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"Warum 6 x 6? Das quadratische Format wird in beiden Richtungen voll genutzt. Es gibt keine belastende Frage nach dem Hoch- oder Querformat. Sie fotografieren stets mit gleicher Kamerahalttung. Für Ausschnittvergrösserungen besitzt 6 x 6 zuverlässige Reserven an Schärfe und Auflösungsvermögen. Bei der Projektion kommt der gesamte Lichtstrom dem 6x6-Dia zugute."             

Rollei-Werbung FOTO-MAGAZIN Oktober/1964


 

Rolleiflex 2.8F mit Planar: die Mutter aller zweiäugigen Mittelformatkameras 

Nur ganz wenige Kameras haben einen solchen Kult-Status erreicht wie die legendäre zweiäugige Rolleiflex 2,8F-Mittelformatkamera.

Es ist eine auch heute noch zeitweise sehr gesuchte Kamera, je nach Zustand,  je nach Anbieter, je nach Jahreszeit auch erzielt sie extreme Werte  bis über 2500 Franken.

Ein Rollei-Fachmann hat einmal geschrieben: "Für ein guterhaltenes Modell mußt du bei einem seriösen Händler mit 600 bis 900 Teuronen rechnen - ja nach Zustand und Baujahr (das Ding wurde immerhin zwischen ca. 1960 und 1980 produziert - das ist schon eine beträchtliche Spanne!) - aber immerhin hat man bei einem Händler halt "Gewährleistung". Ansonsten musst du halt die Kosten für eine "Runderneuerung" einkalkulieren - wenn es perfekt gemacht wird, dann kostet dich das komplett ca. 300 Teuros (komplett zerlegt, gereinigt, geschmiert und justiert - komplett bedeutet Hemmwerk, Fokussiergetriebe und Transportgetriebe, beide Optiken zerlegen, reinigen und justieren) sofern keine Ersatzteile benötigt werden."

Runderneuert müsste meine Rollei F2 nicht unbedingt werden. Sie ist optisch einwandfrei, der Verschluss mit ziemlicher Sicherheit in Ordnung, die Linsen sind sauber,  der Belichtungsmesser zeigt korrekte Werte an. Aber: Die Kurbel leistet gar viel Widerstand, und der Filmfühler funktioniert nicht mit hundertprozentiger Sicherheit. So sind halt schon etliche Filme in den Papierkorb gewandert, einige aber dann wieder wirklich gelungen.  Weil wir doch mit Kosten von rund 300 Franken gerechnet haben, musste ich für die Kamera keinen Mondpreis bezahlen. Zudem fand der freundliche Vorbesitzer, ihm sei wichtig, die Kamera in den Händen eines Fans zu wissen. Klar habe ich grosse Freude daran, nur habe ich sie immer noch nicht in die Reparatur gegeben; die Instandstellung  digitaler Kameras ging bisher vor. Mit dem Risiko unbelichteter Filme kann/muss ich noch leben.

     Nachträglich eingefügt:

Aufnahme: Fritz Kerscher. Ein dünnes Blechplättchen könnte das oben beschriebene Problem beheben

Fritz Kerscher, München, kennt das Problem und empfiehlt einen kleinen Eingriff, mit dem die Filme

stärker an den Transport gedrückt werden. Er meint dazu:

Der Hintergrund hierfür dürfte nicht in der Mechanik, sondern im Filmmaterial heute und seinerzeit liegen.

Er vermutet, wegen eines veränderten Silberanteils seien die Rollfilme dünner geworden, schränkt jedoch

ein, diese Theorie werde von renommierten Fotohändlern belächelt. Wie auch immer, bei einer Reparatur

in den 80iger Jahren hat mir die Vertragswerkstätten Mitterreiter, Rollei und Voigtländer Balanstr 228,

diese Vorrichtung aus einer biegsamen Metallplatte (Blech) ohne Auftrag, als Kundenservice eingebaut.

Bei mir jedenfalls funktioniert es, und wegen dieser Kleinigkeit sollte keine Rollei ungenützt im Schrank

verstauben.“  Herzlichen Dank Fritz Kerscher!

                                                                                                                                                               


Zur Kamera gehören übrigens ausser der Ledertasche noch Filter, Nahlinsen und selbstverständlich eine Sonnenblende. Stichwort Sonnenblende: Was sich Rollei- Verrückte leisten, habe ich am Beispiel eines Handels in der "Bucht" gesehen: Da wurde eine Blende für 99 Euro ersteigert.

Über die Zweiäugigen und das quadratische Format ist viel gestritten worden. 

Hier ein Für und Wider: "Die zweiäugige Spiegelreflexkamera (engl. Twin lens reflex, TLR) besitzt an ihrer Vorderseite immer zwei Objektive gleicher Brennweite. Hier wird durch das erste (untere) Objektiv der Film belichtet. Dieses Aufnahmeobjektiv hat immer einen Zentralverschluss. Das zweite Objektiv projiziert über einen Spiegel ein seitenverkehrtes Abbild auf eine Einstellscheibe. Über den Entfernungseinstellungs- mechanismus werden beide Objektive parallel bewegt, so dass über die Einstell- scheibe scharf gestellt werden kann..
Vorteile: * das Sucherbild ist immer sichtbar und wird nicht von der Arbeitsblende abgedunkelt: * das Aufnahmegeräusch ist sehr leise; * die Auslösung des Kameraverschlusses bewirkt praktisch keine Erschütterungen.
Nachteile: * aufwändige Objektive werden aus Kostengründen nicht realisiert, da sie doppelt erforderlich wären; * es entsteht ein Parallaxenfehler, der besonders bei Nah- oder Makroaufnahmen bemerkbar ist, da die optischen Achsen der beiden Objektive gegeneinander verschoben sind."

Es ist wohl etwas dran, wenn behauptet wird, die Rolleiflexen (oder zweiäugigen Mamiya) seien nur noch etwas für Nostalgiker. "Mit den Augen eines Rolleigrafen" (Fritz Henle) muss man indes schon festhalten, es sei ein anderes Fotografieren als mit einer Sucherkamera oder einer Kleinbild-Spiegelreflex: "Man schaut nämlich im Normalfall von oben auf eine Einstellscheibe, die ein Abbild dessen wiedergibt, was sich vor dem Sucherobjektiv befindet, und zwar in Brusthöhe oder sogar noch tiefer." Also fotografiert man beispielsweise aus der Perspektive der Kinder. – Das oben erwähnte Buch von Fritz Henle ist 1964 erschienen und trotzdem immer noch empfehlenswert.

Bei der 2.8F ist der Belichtungsmesser mit Blende und Zeit gekuppelt, ein wichtiger Vorzug gegenüber der Rolleiflex T, mit der ich vor Jahrzehnten ziemlich oft fotografiert habe. Noch heute könnte ich mir die Haare raufen, dass ich diese T verscherbelt habe. Es gab halt eine Zeit, da waren sogar die Rolleiflex nicht hoch  im Kurs. So können sich die Zeiten ändern. 

Die Planare 2.8 und 3.5 an den Rolleiflexen geniessen einen sehr guten Ruf; es gibt jedoch Sammler, die Xenotare bevorzugen. Ich kann da nicht mitreden und mich demzufolge auch nicht an einem Glaubenskrieg beteiligen. Meistens gilt ja in diesem Genre: das Modell, das ich besitze, ist eh besser ... 


Der Rolleischuss sitzt immer. Nur knipsen – das füllt nicht aus. doch Bilder schiessen, wie sie natürlicher, frischer und eigenwilliger nicht sein können – da bekommt das Fotografieren unwiderstehlichen Reiz. Mit der Rollei müssen Sie zwangsläufig brillant fotografieren, denn: sie zeigt strahlend hell und deutlich im Lichtschacht das Bild – so gross und so scharf, wie's wird. (...) Selbst kleinste Ausschnitte lassen sich gestochen scharf vergrössern. (...) Rollei – man sieht, was man hat."

Rolleiwerbung 1962 (Foto-Magazin 12)


 

Rolleiwerbung 1968


"Warum zweiäugig? Das Sucherbild ist auch bei langen Belichtungszeiten ständig sichtbar. Der Verschluss läuft ohne verzögernde Zeitparallaxe direkt und geräuscharm ab. Der fest justierte Spiegel erspart die die empfindliche Springblende. Der präzise Mechanismus bleibt erschütterungsfrei. Zweiäugig bedeutet; dauerhafte Präzision und die Garandie unfehlbar scharfer Bilder."

Rollei-Werbung FOTO-MAGAZIN September/1964


Rollei-Werbung 1964, Foto-Magazin

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